Grenzen - Wie setze ich Grenzen?




In meiner Arbeit mit Kindern bzw. innerhalb der Familie werden Grenzen folgendermaßen gesetzt:

Zunächst einmal werde ich mir selbst bewusst, was mich gerade stört. Dafür kann ich mir ganz einfach die folgenden Fragen stellen:

  • Was sehe ich? (Was ist also der Ist-Zustand)

  • Wie fühle ich mich dabei? (Wie würde ich das Gefühl benennen, das gerade in mir ist)

  • Was müsste sich ändern, damit ich mich besser fühle?

Mit diesen Fragen ist die Grundlage schon einmal gesetzt, um überhaupt zu erkennen, welche Grenzen gerade überschritten wurden.

Bevor wir an das Thema „Grenzen“ setzen beim Pferd rangehen ist es also essentiell überhaupt zu wissen, welche meiner Grenzen gerade überhaupt überschritten wurde.


  • Fummelt das Pferd die ganze Zeit an meiner Tasche rum?

  • Bleibt es am Putzplatz nicht stehen?

  • Bleibt es beim Aufsitzen nicht stehen? Rennt es wie ein Irrer an der Longe um mich herum?

  • Hört es nicht auf mich?

  • Kommt es die ganze Zeit zu nah in meinen persönlichen Bereich?

  • Usw.


Es gibt viele Situationen, in denen wir das Gefühl haben, unsere Grenzen wurde überschritten.

D.h. wir ein Gefühl erleben, das wir als eher unangenehm einstufen.


Ich möchte auch hier kurz darauf eingehen, ob es denn wirklich notwendig ist, dass mein Pferd zu 100% auf mich hört und immer wie ein Soldat reagiert, wenn ich etwas von ihm möchte.


Ich denke, nein. Mein Pferd darf und soll auch einfach mal nicht auf mich reagieren müssen.

Viele denken jetzt vielleicht: Ja, das ist aber respektlos! Ich muss doch mein Pferd die ganze Zeit unter Kontrolle haben. Das Pferd MUSS auf mich hören. (Schließlich bezahle ich alles, oder das geht gar nicht, dass das Pferd nicht auf mich hört).


Genau hier sollten wir Menschen anfangen in uns rein zu hören. MUSS das Pferd?

Warum genau wollen wir denn unbedingt, dass das Pferd MUSS?

Welche Beweggründe haben wir, dass das Pferd MUSS?


Ist es das Bedürfnis, dass mal jemand auf uns hört? (Ich bin es wert, dass man auf mich hört!)

Ist es das Bedürfnis, etwas wirklich Tolles zu leisten? (Ich möchte, dass die anderen im Stall sehen, was ich Großartiges mit meinem Pferd schaffe.)

Ist es das Bedürfnis, einfach mal den Frust raus zu lassen?


Gehe in dich und frage dich, ob das Pferd wirklich MUSS.

Vielleicht erzeugt auch dieses MUSS ein solchen Druck, dass genau wegen diesem MUSS einfach gar nichts mehr funktioniert. Denn eventuell überschreiten wir als Pferdebesitzer in diesem Moment eine Grenze des Pferdes. Verlangen aber gleichzeitig, dass es sich an unsere Regeln hält.


Was aber, wenn ich für mich zu dem Entschluss komme, dass diese Grenze, die ich setzen will, tatsächlich eine legitime Grenze ist, die ich vom Pferd einfordern und respektiert wissen möchte.


Dafür möchte ich dir ein paar Tipps geben:

  1. Werde nicht emotional. Wenn du schimpfend, verzweifelnd, zornig oder sonst irgendwie auf dein Pferd zugehst, wirst du je nach Pferdetyp dein Pferd verschrecken oder im schlimmsten Fall gegen dich aufhetzen. Bleibe ruhig und entspannt, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Egal, wie sehr es dich gerade stört.

  2. Wiederhole dein Anliegen immer und immer wieder. Bleibe konsequent in dem, was du von deinem Pferd möchtest. Fordere also nicht heute A, was sich am nächsten Tag schon nicht mehr als so schlimm erweist.

  3. Formuliere dein Anliegen klar und weiche davon nicht ab. Wenn deine Forderung heute A und Morgen A+1 ist, dann wird dein Pferd nie wirklich verstehen, was du von ihm willst. Deshalb: Nehme immer die gleiche Forderung auf die gleiche Art und Weise und weiche davon nicht ab.

  4. Schenke deinem Pferd keine Aufmerksamkeit, wenn es die Grenze überschreitet. Oft machen die Menschen den Fehler, dass sie auf das vermeintlich schlechte reagieren, beim guten dann aber darüber hinweg gehen, denn „das ist ja normal“. Ein Pferd das scharrt: Meistens kommt der Mensch gerannt oder reagiert darauf, wenn es damit anfängt. Nicht aber, wenn es damit aufhört. Damit lernt das Pferd, dass wenn es sich „schlecht“ benimmt es Aufmerksamkeit bekommt, aber nicht, wenn es sich gut benimmt. Schenken wir dem Pferd also unsere Aufmerksamkeit, wenn es etwas gutes macht.

  5. Respektiere die Grenzen deines Pferdes. Leider sehe ich in manchen Reithallen Reiter, die ein Pferd bis an ihre Grenzen und darüber hinaus reiten. Wenn das Pferd dann Anstalten macht, sich zu verweigern, zu buckeln oder gar zu steigen, dann gibt es mit ein wenig Glück einen Anschiss, ein „Ich weiß, dass das anstrengend ist. Ist es für mich auch. Da müssen wir jetzt durch“ oder aber auch ein sehr harter Einsatz aller dem Reiter zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das Pferd. Und im nächsten Augenblick wundern wir uns, wenn das Pferd sich losreißt oder uns in gefährlichen Situationen nicht vertraut? Aber auch im Kleinen: Normalerweise spitzt mein Pferd schon seine Ohren, wenn es mich sieht und kommt schon in freudiger Erwartung auf mich zu. Heute nicht. "Ja, aber ich bin doch extra hierhergefahren. Jetzt müssen wir aber schon auch etwas machen. " Nun, vielleicht findet das Pferd gerade entweder nur eine Putz- oder Massageeinheit deutlich angenehm, als jetzt durch‘s Gelände oder die Halle zu laufen.


In diesem Sinne wünsche ich euch, euch selbst und auch euer Pferd zu sehen, um die Bedürfnisse zu erkennen. Damit das Zusammensein mit dem Pferd so schön wie möglich sein kann.

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